Besuchen Sie auch meinen Webshop

 

[ Bilder & Photos ]

"Es gibt eine Theorie, die besagt, wenn jemals irgendwer genau herausfindet, wozu das Universum da ist und warum es da ist, dann verschwindet es auf der Stelle und wird durch noch etwas Bizarreres und Unbegreiflicheres ersetzt. - Es gibt eine andere Theorie, nach der das schon passiert ist."

Douglas Adams
Kirchen I
Dienstag, 19. Mai 2009 um 13:59

Panorama mit den Türmen der vier großen Kirchen, um 1940"Das Fernbild der Stadt, beherrscht und gegliedert von vier hochgetürmten Kirchen [RSB: St. Jacobi, St. Marien, St. Petri und St. Nikolai], kündet heute noch wie ehedem, welchen Rang Rostock unter seinen hansischen Schwestern einnahm: 'daß es sich zwar mit der Königin der Ostsee, dem siebenmal gekrönten Lübeck, nicht messen könnte, auch nicht mit dem fünffach emporgetürmten Hamburg, daß es aber doch mehr als Lüneburg, Wismar, Stralsund und Greifswald, Riga und Reval, die alle nur mit drei großen Kirchen die Ferne grüßten'." (Sedlmaier, Richard: Rostock, Berlin 1942, S. 3.)

Gerade anhand Rostocks Gotteshäusern läßt sich die Entwicklung der Hansestadt besonders gut nachvollziehen. Während sich die erste, slawische Siedlung am östlichen Ufer entwickelte (siehe Grafik: roter Pfeil), bildete sich die mittelalterliche Siedlung von deutschen Kaufleuten am Westufer der Warnow auf einer kleinen Anhöhe (siehe Grafik: blauer Pfeil).  


St. Petri

St.Petri mit Petritor von Osten, ca.1930 Hier entstand auch Rostocks älteste Kirchspiel, St. Petri, welches erstmals 1252 erwähnt wurde. Die Petrikirche wurde im 14. Jahrhundert als dreischiffige Basilika ohne Querschiff gebaut und erhielt 1577 einen 117 Meter hohen Turm. Dieser diente bis ins vorige Jahrhundert als Navigationspunkt für die Schifffahrt.

St.Petri, Chor, um 1935 Walter Kempowski schrieb hierzu: "[...] St. Petri, eine Kirche die fast nur aus Turm bestand. Heute könnten die Leute so was nicht mehr bauen, wurde behauptet. Über die Zusammensetzung des Mörtels gingen wunderliche Gerüchte um." (Kempowski, Walter: Tadellöser&Wolff. Ein bürgerlicher Roman, München 1971, S.22.)

Auch für die Mecklenburger Kirchengeschichte ist St. Petrie von besonderer Bedeutung. So predigte hier der Reformator Joachim Slüter, der vorwiegend in Niederdeutsch predigte und bis heute vor allem wegen seiner Volksnähe verehrt wurde. Der ehemalige Lehrer der Petrischule hatte mit seinen durch lutherisches Gedankengut geprägten Predigten vor allem aus den Ärmeren Bevölkerungsschichten großen Zulauf. Trotzdem konnte die Reformation in Rostock erst spät Fuß fassen.

St.Petri, ca. 1930Auch die Eltern des wohl berühmtesten Rostocker Sohns, Marschall Gebhard Leberecht von Blücher wurden in St. Petri beigesetzt.

Das stark zerstörte Petrikirche mit dem ebenso in Mittleidenschaft gezogenen Petritor, um 1945In den Bombenangriffen von 1942 wurde der Turm und das Mittelschiff zerstört.Auch die reiche barokke Ausstattung, wie Altar, Kanzel und Orgel gingen zum Großteil in Flammen auf.

Während der Gottesdienst bald wieder in notdürftig hergestellten, kleinerer Räume durchgeführt wurde, wurde der Turm erst 1994 neu errichtet. Rostock erhielt somit eines seiner bekanntesten Wahrzeichen wieder. Zu den geretteten Teilen der Kultrschätze St. Petris, die man noch heute bewundern kann, gehört die bronzene Tauffünte von Andreas Ribe aus dem Jahr 1512 und ein Kelch aus dem 15. Jahrhundert, welcher mit einer mittelniederdeutschen Innenschrift versehen ist.

St.Petri von Osten um 1900St.Petri, zerstört, um 1942

 


St. Marien

St.Marien von Südwesten, ca. 1930 Mit der mittelalterlichen Ausdehnung Rostocks nach Osten, bekam die Hansestadt ihren bedeutendster Sakralbau, die Marienkirche. Wie St. Petri auch, hatte befand sich auch auf dem heutigen Standort von St. Marien schon früher eine Kirche.

Der Bau von St. Marien begann zwischen 1260 und 1270 und unterlag vielen Rückschlagen und Veränderungen. So war es ursprüngliches Ziel eine backsteinernde Hallenkirche zu bauen, darauf deuten Teile des Turmunterbaus hin. Ab 1290 erfolgte ein Umbau zur Basilika mit Choruntergang und Kapellenkranz. Vorbild hierfür war die Lübecker Marienkirche. 1398 stürzte bin den Bauarbeiten ein Teil des Gebäudes ein, so dass erneut die Baupläne korrigiert wurde. Man schuf nun einen gotischen Zentralbau mit eingeschobenen Querschiff. Auch in den folgenden Jahrhunderten veränderte sich das Gesicht von St. Marien noch mehrmals. So geht die heutige Turmbekrönung erst auf das Jahr 1796 zurück.

Blick vom Bliesathberg auf St.Marien"Die Türme der Kirchen waren entweder zu groß oder zu klein. Die klotzige Marienkirche, ein Bau-Ungetüm mit gewaltigem Westwerk, groß genug, um drei Türme zu tragen, oben rasch und behelfsmäßig mit einem hühnerkopfähnlichen Helmchen abgeschlossen." (Kempowski, Walter: Tadellöser&Wolff. Ein bürgerlicher Roman, München 1971, S.22.)

Charakteristisch für St. Marien sie ist das langgestreckte Querhaus, welches nicht nur den monumentalen Charakter von St. Marien steigerte, sondern auch praktischen Nutzen besaß. Bei Regen wurde in ihm wandelnd geschäftliche Gespräche von Kaufleuten geführt und außerdem nutze man es als Abkürzung. Die Marienkirche zählt zu den beeindruckendsten Bauwerken der Hansestadt.

Obwohl St. Marien im 2.Weltkrieg dreimal Feuer fing, konnte sie, Dank des wagemutigen Einsatzes des Kirchendieners Friedrich Bombrowski und anderer Hansestädter, vor der Zerstörung bewahrt werden. Dies gilt auch für die wertvollen Kunstschätze im Inneren der Kirchen, wie die prächtige Kanzel aus dem Jahr 1574, dem Haupaltar (1721) und der von Hans Dühringer 1472 geschaffenen astronomischen Uhr.


St. Jacobi

Zwischen der Pädagogien- und Apostelstraße stand früher die Jacobi-Kirche. Sie bildete den Mittelpunkt der "Neustatd" rund um das Kröpeliner Tor. Obwohl St. Jacobi einige Ähnlichkeiten zur Petrikirche aufwies, war sie im ganzen größer angelegt.

St. Jacobi, Innenansicht, Hauptchor, ca.1930"Die Wucht ihres prunklosen Äußeren legt sie ziemlich in die Breite. Nur ihr viereckiger Turm ist mit Ziegeln von schwarzer Glasur, als einziger Schmuck, bedeckt, während er weiter nach den Wolken zu einen schlanken, zopfigen Helm, der mit Kupfer belegt ist, in die Höhe schießen läßt. [...] Hohe, schmale Fenster ssind in die Außenwand geschnitten, wobei die Nordseite ihre Wirkung leider durch blinde Fenster in einem monotonen Anblick erstickt. Nur dort gerät an dieser Stelle erst wieder Leben in dieArchetektonik des Bauwerkes, wo kleine Spitzgiebel eine Anmutige Galerie mit Kreuzblumen und Rosetten winden." (Behrend, Walter: Rostock und Wismar. Zwei Ostseestädte, Leipzig o.J.)

Die erste Bauphase begann im frühen 14. Jahrhundert, um 1350 wurde sie beendet. 1465 wurde schließlich auch der mächtige quadratische Westturm mit seinem stumpfen Pyramidenturm fertiggestellt. Einen neuen Turmhelm erhielt der Bau 1588 sowie auch die letzten Kirchenfenster und war damit endgültig abgeschlossen.

Der ungewöhnlich gerade Chorabschluß, zeigt, dass der im 13. Jahrhundert geborene Architekt englischer Herkunft war oder zumindest dort ausgebildet wurde.

St. Jacobi, Innenansicht, nördliche Langhauswand, ca.1930Seit dem 15. Jahrhundert war eng mit der 1419 gegründeten Rostocker Universität verbunden. Besonders die Professoren der Theologischen Fakultät waren oft auch Pfarrer der Jakobikirche. Die Kirche wurde 1487 in ein Domstift umgewandelt, der nach der Reformation aufgelöst wurde. Später nahm hier das Konsistorium, die geistliche Gerichtsbarkeit in Mecklenburg ihren Sitz. 

Die Zerstörung der Jacobikirche lief in drei Phasen ab, während bei den Bombenangriffen in den Nächten vom 24. bis zum 27. April 1942 das Hauptschiff ausbrantte und der Turmhelm und der Dachstuhl zerstört wurde, stürtzte das Kirchenschiff erst 1947 bei der Sprengung eines nahegelegenen Bunkers ein. Obwohl das Tumrmassiv nach einem Gutachten noch zu sanieren gewen wäre, fiel St. Jacobi den Planungen der Regierung der DDR zum Opfer, welche die Umgestaltung der Lange Straße als sozialistisches Zentrum vorsah. Der Abbruch begann 1958 und wurde 1960 beendet. Mit St. Jacobi fiel eines der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt den zwei deutschen Diktaturen des 20. Jahrhunderts zum Opfer.

Einzelne Einrichtungsgegenstände, wie ein schmiedeeisernes Türgitter, welches heute den Treppenaufgang zum Gemäldesaal des Kulturhistorischen Museums ziert, blieben erhalten.

St. Jacobi, Blick vom Turm, ca.1930 Innenansicht St.Jacobi, um 1945
Zerstörte Jacobikirche, Blick von der Langen Straße, 1942

 

Kommentar schreiben

Sicherheitscode
Aktualisieren

Joomla! Template by Red Evolution - Joomla Web Design