Literaturempfehlungen

 

 

Rostock in Meyers Konversationslexikon von 1888-1890

 

Meyers Konversationslexikon, Verlag des Bibliographischen Instituts, Vierte Auflage, Leipzig und Wien 1888-1890, Band 13 von Phlegon bis Rubinstein, Seite 987.

Rostock, größte und wichtigste Stadt des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin, liegt am linken Ufer der Warnow, die mit einer Minimaltiefe von 4m sich hier sehr erweitert und 12km nördlich bei Warnemünde in die Ostsee mündet, an dem (1888) im Bau begriffenen Kanal R.-Güstrow, im Knotenpunkt der Linie Bützow-R. der Mecklenburgischen Friedrich Franz-Eisenbahn und der Eisenbahnen Wismar-R., R.-Stralsund u. Neustrelitz-Warnemünde, ist an Stelle der alten Festungswerke mit schönen Promenaden umgeben und besteht aus der Alt-, Mittel- und Neustadt u. mehreren Vorstädten. Die Stadt, namentlich die Mittel- und Neustadt, ist regelmäßig und schön gebaut und macht mit ihren stattlichen Kirchen, mit dem belebten Hafen und dem lebendigen Verkehr einen vorteilhaften Eindruck, hat 4 Land- u. 12 Wasserthore u. mehrere stattliche Plätze, worunter der Neue Markt mit Springbrunnen und der Blücherplatz mit einer Statue des hier (in der Blücherstraße) gebornen Feldmarschalls Blücher (seit 1819, von Schadow) sich auszeichnen. Unter den öffentlichen Gebäuden sind hervorzuheben: 5 Kirchen, die Jakobikirche (14. Jahrh.), die Marienkirche (1398-1472), eine der größten und schönsten gotischen Kirchen Norddeutschlands, mit dem Grabstein. des Hugo Grotius (dessen Leiche später nach Delft in Holland geschafft wurde), die Petrikirche mit dem höchsten Turme Mecklenburgs (126m), die Kirche zum Heiligen Kreuz und die Nikolaikirche, letztere beide mit prachtvoll geschützten Altären; ferner: das großherzogliche Palais (1702 erbaut), das gotische Rathaus (14. Jahrh.) mit zierlichen Giebeln, die Hauptwache, das Gebäude des Oberlandesgerichts, die 1867 neuerbaute Universität, das Societätsgebäude, die neue Anatomie, die Frauenklinik und Hebammenschule, die Zollniederlage, das Stadtkrankenhaus, das neue Militärlazarett, das Katharinenstift (Irrenheilanstalt), das Postgebäude und mehrere Schulgebäude. Ein schönes Kriegerdenkmal befindet sich am sogen. Wall. Die Zahl der Einwohner belief sich 1885 mit der Garnison (2 Füsilierbat. Nr. 90) auf 39,356 Seelen, darunter 224 Katholiken und 221 Juden. Die bedeutende Industrie ist vertreten durch Schiff- und Maschinenbau, Zuckerfabrikation, Bierbrauerei und Malzfabrikation, Baumwollmanufakturen, Strohhut-, Tabaks-, Tapeten-, Seifen-, Spielkarten-, Watten-, Schokoladen-, Zichorien-, Farben-, Wagenfett-, Essig-, Chemikalien-, Dachpappen- und Zündwarenfabriken, Wagenbau, Walk-, Öl-, Dampfmahl- und Sägemühlen, Branntweinbrennereien, bedeutende Gerbereien, Steinschleiferei etc. Wichtig ist auch die Fischerei. Der bedeutende Handel macht R. zu einem der ersten Plätze der deutschen Ostseeküste. Unterstützt wird derselbe durch eine Börse, eine Reichsbanknebenstelle und verschiedene zum Teil bedeutende Geldinstitute (Rostocker Bank mit 6 Mill. Mk. Kapital) wie durch die lebhafte Schiffahrt und die oben genannten Eisenbahnverbindungen. 1886 liefen ein: 910 Schiffe zu 112,007 Registertons, es gingen ab: 929 Schiffe zu 119,965 Registertons. Die dortige Reederei zählte 1. Jan. 1886 zusammen 743 Seeschiffe zu 145,473 Registertons, darunter 94 Dampfer (die größte Handel.sflotte der Ostsee). R. besitzt eine eigne Flagge: weiß, das obere innere Viertel gelb mit einem stehen-den schwarzen Greif. Gegenstände der Ausfuhr sind: Getreide u. andre Landesprodukte, als Wolle, Flachs, Fleisch etc., während vorzüglich Kolonial- und Eisen waren, Wein, Steinkohlen, Petroleum, Holz und Heringe eingeführt werden. Auch hat R. jährlich eine Messe und besuchte Woll-, Pferde- und Viehmärkte. Im Januar und Juni jedes Jahrs, im sogen. Antonii- und Johannistermiu, wird der hauptsächlichste Geldverkehr des ganzen Landes in R. vermittelt. Dem Verkehr in der Stadt dient eine Pferdebahn. Unter den Bildungsanstalten steht obenan die 1418 von den Herzögen Johann III. und Albrecht V. von Mecklenburg. in Gemeinschaft mit der Stadt gestiftete Universität, die 1437-43 wegen des vom Baseler Konzil über R. verhängten Interdikts in Greifswald ihren Sitz hatte und 1760 infolge von Mißhelligkeilen zwischen Herzog Friedrich und der Stadt R. nach Bützow verlegt ward. Da indessen die vom Rat angestellten Professoren in R. blieben und ihre Vorlesungen fortsetzten, so bestanden damals thatsächlich zwei mecklenburgische Universitäten, zu R. und zu Bützow, bis 1789 ihre Wiedervereinigung in R. erfolgte; doch gab die Stadt ihr Kompatronat erst 1827 auf. Die Universität hat eine Bibliothek (145,000 Bände), eine Sternwarte, eine landwirtschaftliche Verfuchsstation etc. und zählte im Wintersemester 1888/89: 340. Studierende.

Wußten Sie über Rostock, …

.. daß hier das erste Düsenflugzeug der Welt gebaut wurde?

Am 27. August 1939 startete der Pilot Erich Warsitz vom Gelände des in Rostock-Marienehe ansäßige Rüstungsbetrieb Heinkel zum weltweit ersten Flug in einem düsenbetriebenen Flugzeug. Die Heinkel He 178. wurde von einem 378 kg schweren Heinkel He S3b-Strahlturbinenmotor angetrieben.

… daß in Rostock deshalb ebenfalls der erste Schleudersitz entwickelt wurde?

Der 1939 von Heinkel in Rostock entwickelte Schleudersitz wurde in den 1940er Jahren erstmal serienmäßig in der He 219 eingesetzt.

… daß man hier den Strandkorb erfand?

Der Rostocker Hofkorbmachermeister Wilhelm Bartelmann erfand im Jahr 1882 den Strandkorb. Damals kam eine alte Dame zu ihm, die gerne am Strand saß, sich aber aufgrund ihres Rheumas vor Wind und Sonne schützen wollte. So bekam Bartelmann den Auftrag einen strandtauglichen Stuhl zu bauen. Obwohl Spötter ihn als “aufrecht gestellter Wäschekorb mit einem quer eingelegten Brett” bezeichneten, nahm bereits 1883 – so ist in einer damaligen Ausgabe des Allgemeinen Rostocker Anzeiger zu lesen – die erste Strandkorbvermietung ihre Arbeit auf.

… daß sich hier das erste privatfinanzierte Straßenbauprojekt der Bundesrepublik befindet?

“Die ersten Ideen und Planungen für eine Untertunnelung der Warnow nördlich von Rostock reichen bis in die 60er Jahre zurück. Bereits 1974 war die “Warnow-Querung Nord” als Vorhaben im Generalbebauungsplan der Stadt Rostock erstmalig erschienen. Aber erst eine Gesetzesnovelle von 1994, das Fernstraßenprivatfinanzierungsgesetz, machte es möglich, dass erstmalig in Deutschland eine privatwirtschaftlich errichtete, finanzierte und betriebene Fahrstrecke entstehen konnte.

Am 1. Dezember 1999 erfolgte der erste Spatenstich für das aufwändige und bautechnisch anspruchsvolle Projekt. Rund 220. Mio EUR investierten die Gesellschafter Bouygues Travaux Publics S.A. (F) und Macquarie Infrastructure (AUS) gemeinsam mit einem internationalen Bankenkonsortium unter Führung der Deutschen Bank, der NordLB, der KfW und der EIB in den Warnowtunnel. Die EU erleichterte durch die Bereitstellung eines ca. achtprozentigen Zuschusses im Rahmen der TEN-Förderung (Trans-European-Network) die Finanzierbarkeit des Projektes.

Der Warnowtunnel besteht aus sechs wasserdichten Betonelementen, die mittels des in Deutschland nicht alltäglichen Einschwimm- und Absenkverfahren im Flussbett der Warnow positioniert wurden. Mit den beiden Portalbauwerken am Eingang und Ausgang erreicht der Tunnel eine Gesamtlänge von 790 Metern.

Am 12. September 2003 wurde der Warnowtunnel feierlich durch den Bundesverkehrsminister Dr. Manfred Stolpe eröffnet. Seitdem wird der Warnowtunnel jeden Tag von tausenden Autofahrern genutzt. Wer durch den Tunnel fährt, spart bequem und sicher Zeit und Kosten.” – Quelle: http://www.warnowquerung.de/historie.html