Exkurs: Jugendsprache

Sprache lebt. Und jede Generation integriert neue Begriffe. Seit einiger Zeit beschäftigt sich auch der renomierte Langescheidt Verlag mit der Jugendsprache. So läßt er etwa in diesem Jahr über das Jugendwort des Jahres 2012 abstimmen.

Meine Favoriten sind „eine Tanzung machen“ für „feiern gehen“, „Komasutra“ für den „versuchten Geschlechtsverkehr zwischen zwei sehr betrunkenen Personen“ und das Wortspiel „Funky Hole“ für „Funkloch“ (einem Gebiet in dem man nicht mit Handy telefonieren kann).

Kuli (m.)

Kuli (m.)

Wenn man von dem Kuli spricht, kann man zwei Dinge meinen. So ist ein Kuli ein altes Wort für Taglöhner bzw. eine Hilfskraft (Beispiel: „Hol‘ Dir Deine Sachen doch selber! Ich bin nicht Dein Kuli!). Häufiger steht Kuli allerdings als Kurzform für Kugelschreiber. (Beispiel: Hast Du einen Füller für mich? Ich möchte nicht mit dem Kuli unterschreiben).

twittern

twittern

Deutschland verfügt nicht wie Frankreich über einen Sprachrat (Conseil supérieur de la langue française), daher werden neue Begriffe aus dem Englischen meist schnell vom ‚Volksmund‚ übernommen. So bezeichnet man das Verfassen von Nachrichten auf dem Dienst Twitter als „twittern“. Und „der Download“ ist das, was man aus dem Internet heruntergeladen hat. Das geht sogar soweit, daß häufig der englische den deutschen Begriff verdrängt.

Beispiel: „Schau‘ mal, was ich gestern gedownloadet habe!“ anstelle von „Schau‘ mal, was ich gestern heruntergeladen habe!“

Kulturpessimisten mögen diesen Zustand kritisieren, Tatsache ist aber, daß etwa die französische Sprache, das Hebräische oder auch Latein in der Vergangenheit einen ähnlichen Einfluß auf die deutsche Sprache hatten.

Unbefugter Zwischenhandel

„Auf dem Obst(…)markte haben seit einiger Zeit etwa 20 Engros-Verkäuferinnen von Obst den verbotenen Zwischenhandel sehr schwunghaft betrieben. Kaum waren die Waren der Verkäufer auf dem Markte erschienen, da stürmten die Obsthändlerinnen auf sie zu, rissen Butten und Körbe herunter, ohne andere Käufer zuzulassen und leerten die Waaren in ihre eigenen Körbe, wer dann noch was kaufen wollte, der mußte von ihnen die Waare beziehen, natürlich zu weit höheren Preisen. Dieser Zwischenhandel, der die Waaren enorm vertheuert, ist durch mehrere Verordnungen verboten und das Marktdepartment des Magistrats ahndete deshalb strenge dieses Verfahren. Die Obsthändlerinnen zogen nun en masse in Bureau des Magistratsraths Wenzl und verlangten, es solle ihnen der Zwischenhandel freigegeben werden. Man will uns ruinieren, schrie die Eine; wir zahlen Steuern, die Andere; wir lassen uns das nicht gefallen, die Dritte, und so fort im Chorus. Der Magistratsrath und der Marktdirektor lasen ihnen die Verordnungen vor – aber das
nützte nichts. „Wir gehen zum Kaiser“ war die Antwort, bevor sich die Damen vom „Stand“ entfernten.“ – Die Presse, 20.10.1871, S. 14.

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