Mr. Winter

„Eine der Überraschungen der diesjährigen Frühlingsausstellung der Königlichen Akademie der Künste ist ohne Zweifel ein bisher unbekannter Maler, der sich im Katalog mit dem schlichten Namen „Mr. Winter“ eintragen ließ und hinter dem man anfänglich ein vielversprechendes „junges Talent“ vermutete. Erst nachträglich stellte es sich heraus, daß sich hinter dem „winterlichen“ Pseudonym weder ein Unbekannter noch ein „junges“ Talent versteckte, sondern der leibhaftige Winston Churchill, der sich nun über den exklusiven Bildersalon auf den besten Weg zur pinselführenden Unsterblichkeit befindet. Mit der Zulassung zu Ausstellung der Akademie erwirbt sich Winston Churchill eine der höchsten Ehren, die einem Maler von offizieller englischer Seite zuteil werden können.“ – Vorarlberger Volksblatt vom 05.05.1947

Pferd und Locomotive

„Am 12. d. traf der von Czegléd kommende Personenzug mit einer halbstündigen Verspätung in Pesth ein. Ueber deren Ursache berichten Pesther Blätter, daß bei Monor ein Pferd auf den Eisenbahndamm sprang und dort vor der Locomotive einhergaloppierte. Um eine Entgleisung vorzubeugen, hielt der Zug, der Locomotivführer ließ die Maschine pfeifen und Feuer und Dampf speien, um das Pferd zurückzuschrecken. Diese Einschüchterungsversuche machten jedoch nur geringen Eindruck auf das Thier; es lief, was es laufen konnte, vor dem Zug einher; da sich trotzdem die Locomotive wiederholt dem Pferde bedenklich näherte, wurde das obige Manöver mehrere Male, wenn auch stets ohne Erfolg angewendet, bis es endlich bei Steinbruch dem Pferde beliebte die Bahn zu verlassen.“ – Quelle: Das Vaterland vom 17. April 1864.

Die Schöne und der Revolver

„Der Polizei von Rio de Janeiro – so lesen wir in der „Deutschen Zeitung“ von Sao Paulo – sind in einer einzigen Nacht vier gleichlautende Anzeigen erstattet worden. Die Fälle sind wirklich eigenartig „schick“, wie man zu sagen pflegt.

Ein kleines, sehr elegantes Sportautomobil hält neben einem einsamen Spaziergänger der, mit dem Hut in der Hand, sich Kühlung zufächelt. Der Mann sieht den Wagen an. Daran sitz eine sehr elegante junge Dame, noch schöner als elegant. Sie lächelt ihm entgegen. Er denkt: Das ist so ein Durchbrenner, der über die Stränge der guten Sitten schlage möchte. Und solche Durchbrenner sind immer interessant. Die Schönheit beginnt zu sprechen. Der Mann geht eifrig auf das Gespräch ein. Er tritt an den Wagen heran und glaubt an eine Einladung zum Mitfahren. Sie winkt ihn ganz nahe an sich heran. Sie werde ihm etwas Interessantes zeigen. Er ist ganz Auge, ganz Ohr. Was sie da zeigt, ist eine sehr große uns sehr kostbare Brieftasche: „Legen Sie ihr Geld da hinein!“ befiehlt die Schönheit, in deren zarter Hand er einen Colt-Revolver, Kaliber 32, erblickt. „Legen Sie nur Ihr Geld hinein, Ihre Schmucksache können Sie sich selbst behalten. Die stehen Ihnen gut. Und entschuldigen Sie übrigens! Die Zeiten sich heute so, daß man tollkühn sein muß. Ich bin es.“ Der Mann steckt sein Geld in ihre Brieftasche. Dann faßt sie ihn um den Hals, zieht ihn an sich und drückt ihm einen Kuß auf die Lippen. Dann hört er rrrr! Das Auto saust davon…

An einem einzigen Abend hat die junge Schöne auf diese Weise vier Männer überfallen; in der Avenida Beira Mar, einen vor dem Tunnel Nova, den dritten in der Avenida Atlantica und den vierten an der Praia Russel. Das alles zwischen 10 und 11 Uhr. Die ganze Beute betrug nach den Angaben der Geplünderten 1339 Milréis. Man fragt sich: Hat denn keiner der vier ausgeplünderten Männer (es gibt vielleicht noch andere, die sich nicht an die Polizei gewendet haben) daran gedacht, die zarte Hand mit dem unzarten Revolver fernzuhalten? Das wäre doch möglich gewesen. Die junge Dame hat ihre Pappenheimer gekannt und sie richtig eingeschätzt. Und darum ist der Fall interessant.“

Quelle: Die Neue Zeitung vom 4. April 1925.